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Expertenwissen3 Min. Lesezeit

IDW-S6-Gutachten: Aufbau und wo KI sinnvoll unterstützt

Ein Sanierungsgutachten nach IDW S6 muss in kurzer Zeit eine umfassende Analyse liefern: Ausgangslage, Krisenursachen, Leitbild, Maßnahmen, integrierte Planung und ein Urteil über die Sanierungsfähigkeit. KI kann vor allem bei Informationsbeschaffung, Dokumentenauswertung, Struktur und Konsistenzprüfung entlasten. Die Bewertung der Sanierungsfähigkeit und die Verantwortung dafür bleiben beim Gutachter.

Beleuchtete Büroräume in einer Gebäudefassade am Abend

Hinweis: Dieser Artikel dient der Orientierung und ersetzt keine fachliche oder rechtliche Beratung im Einzelfall.

Warum ein IDW-S6-Gutachten so anspruchsvoll ist

Wenn ein Unternehmen in die Krise gerät, verlangen Banken und Investoren meist ein Sanierungskonzept nach dem Standard IDW S6 des Instituts der Wirtschaftsprüfer. Für Restrukturierungsberater bedeutet das hohen Zeitdruck: Die Liquidität ist knapp, Finanzierungsentscheidungen stehen an, und die Insolvenzantragspflicht setzt enge Fristen. Gleichzeitig müssen Jahresabschlüsse, Planungen, Verträge und Protokolle in uneinheitlicher Qualität ausgewertet werden. Und weil sich Banken auf das Gutachten stützen, unter anderem um Haftungs- und Anfechtungsrisiken bei Sanierungskrediten zu begrenzen, muss jede Annahme nachvollziehbar und belegt sein.

Aufbau eines Sanierungsgutachtens nach IDW S6

  • Auftrag und Umfang: Gegenstand, Grundlage und Einschränkungen der Begutachtung
  • Ausgangslage: wirtschaftliche und rechtliche Verhältnisse, Markt, Wettbewerb, Organisation und Finanzierung
  • Krisenursachen und Krisenstadium: von der Stakeholder- und Strategiekrise über Absatz-, Erfolgs- und Liquiditätskrise bis zur Insolvenzreife
  • Fortführungsfähigkeit: Kann das Unternehmen weitermachen, und bleibt es zahlungsfähig?
  • Leitbild des sanierten Unternehmens: Geschäftsmodell, Märkte und Wettbewerbsvorteile nach der Sanierung
  • Sanierungsmaßnahmen: z. B. Kostensenkung, Portfoliobereinigung, Finanzierungsmaßnahmen
  • Integrierte Unternehmensplanung: Ergebnis-, Finanz- und Vermögensplanung inklusive Maßnahmenwirkung
  • Einschätzung der Sanierungsfähigkeit: fortführungsfähig und wieder nachhaltig wettbewerbs- und renditefähig?

Wo KI unterstützt und wo nicht

BestandteilWas KI beitragen kannWas beim Gutachter bleibt
AusgangslageMarkt- und Branchenrecherche, Zusammenfassung von UnternehmensunterlagenEinordnung, was für die Krise relevant ist
KrisenursachenAuswertung von Abschlüssen und Protokollen, Muster erkennenBewertung der Ursachen, Gespräche mit dem Management
FortführungsfähigkeitLiquiditätsdaten strukturieren, Annahmen dokumentierenPrognose und Urteil
LeitbildMarktentwicklungen und Positionierungsoptionen aufbereitenZielbild mit dem Management festlegen
MaßnahmenMaßnahmenkatalog entwerfen, frühere Fälle nutzbar machenAuswahl, Priorisierung, Realismus
Integrierte PlanungKonsistenz zwischen Text und Planung prüfenAufbau und Validierung des Modells
SanierungsfähigkeitStruktur, Formulierung, QuellenverknüpfungDas Urteil und die Verantwortung dafür

Chancen und Grenzen

Der größte Gewinn liegt im Tempo bei den Unterlagen: Statt Tage mit der Sichtung von Verträgen, Abschlüssen und Protokollen zu verbringen, liegen die Kernaussagen schnell strukturiert vor. Ist jede Aussage automatisch mit ihrer Fundstelle verknüpft, lässt sich das Gutachten gegenüber Banken und Investoren leichter vertreten. Widersprüche zwischen beschriebenen Maßnahmen und Planung fallen früher auf, und Erkenntnisse aus früheren Sanierungsfällen sind beim nächsten Mandat schnell auffindbar. Da Sanierungsgutachten oft zu festen Honoraren beauftragt werden, sichert jede gesparte Stunde direkt die Marge.

Die Grenzen sind ebenso klar. Das Urteil über die Sanierungsfähigkeit ist eine fachliche Bewertung, für die der Gutachter einsteht. Die integrierte Planung muss rechnerisch und inhaltlich stimmen, und KI-Werkzeuge können bei komplexen Finanzmodellen Fehler machen. Krisenursachen zeigen sich oft erst im Gespräch mit Management, Banken und Lieferanten. Und weil Informationen über ein Unternehmen in der Krise besonders sensibel sind, dürfen sie nur in Umgebungen mit EU-Datenhaltung, ohne Training und mit strikter Trennung zwischen Mandaten verarbeitet werden.

Checkliste für den KI-Einsatz

  1. Feste Struktur entlang der Kernbestandteile von IDW S6
  2. Quellenpflicht für jede Aussage zu Ausgangslage, Krisenursachen und Maßnahmen
  3. Prüfpunkte, an denen ein erfahrener Berater Krisenursachen, Leitbild, Maßnahmen und Planung freigibt
  4. Sichere Umgebung mit EU-Datenhaltung und ohne Training mit Kundendaten
  5. Wissen sichern in einer gemeinsamen Wissensbasis

Fazit

Ein IDW-S6-Gutachten lebt von Gründlichkeit, Nachvollziehbarkeit und einem fundierten Urteil. KI ändert daran nichts, sie verschiebt nur die Arbeit: weniger Zeit für das Zusammentragen und Formatieren, mehr Zeit für Analyse, Gespräche und Bewertung. Für Restrukturierungsberater heißt das: Gutachten schneller und belegbarer erstellen, ohne Abstriche bei der Qualität.

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