Die Lage der Strategieteams
Laut BCG umfasst ein typisches Strategieteam in großen Unternehmen im Median rund elf Vollzeitkräfte, im Mittelstand oft nur wenige Personen. Gleichzeitig sollen diese Teams Strategieprozess, Vorstandsvorlagen, Marktbeobachtung und M&A-Vorbereitung abdecken. Dazu kommen Ad-hoc-Anfragen wie „Wie groß ist der Markt für …?“ oder „Gibt es Übernahmekandidaten in …?“, die kurzfristig Kapazität binden.
Strategieteams gelten als besonders stark von KI betroffen, weil ihre Arbeit auf Information, Analyse und Entscheidungsvorbereitung beruht. In Umfragen nennen viele generative KI als Top-Priorität. Der Einsatz scheitert aber oft an Sicherheitsbedenken und fehlenden Abläufen.
Wo KI im Strategieteam hilft
| Aufgabe | Was KI beitragen kann | Was beim Team bleibt |
|---|---|---|
| Markt- und Trendbeobachtung | Laufende Recherche, Zusammenfassungen, Frühwarnsignale | Relevanz für das eigene Geschäft bewerten |
| Wettbewerbsanalysen | Steckbriefe, Vergleiche, Auswertung von Firmendaten | Positionierung und Konsequenzen ableiten |
| M&A-Screening | Longlists, kriterienbasierte Vorauswahl | Strategischer Fit, Ansprache, Verhandlung |
| Vorstandsvorlagen | Struktur, Entwürfe, Executive Summaries | Kernaussagen und Empfehlung |
| Strategieprozess | Auswertung von Workshops, Konsolidierung von Planungsinputs | Moderation und Entscheidungen |
| Ad-hoc-Anfragen | Schnelle, belegte Erstantworten | Einordnung und Priorisierung |
Der größte Effekt: Routineanalysen gehen schneller, und das Team gewinnt Zeit für das, wofür es eigentlich da ist, nämlich strategische Fragen durchdenken, Optionen bewerten und Entscheidungen vorbereiten.
Grenzen
Strategie lebt vom Wissen über das eigene Unternehmen, seine Fähigkeiten, Kultur und internen Interessen. Dieses Wissen und das Gespür für Machbarkeit bringt das Team mit, nicht die KI. Ebenso bleibt die Abwägung, welche Richtung das Unternehmen einschlagen soll, Aufgabe von Strategieteam und Vorstand. Eine Marktgröße in einer Vorstandsvorlage gehört nur mit nachvollziehbarer Quelle hinein. Und M&A-Überlegungen, Strategieoptionen und interne Zahlen gehören zu den sensibelsten Informationen eines Unternehmens. Sie dürfen nur in Umgebungen verarbeitet werden, die Datenhaltung, Zugriffsrechte und Training klar regeln.
Reicht nicht Copilot?
Viele Unternehmen haben Microsoft Copilot oder ChatGPT bereits eingeführt. Für E-Mails, Zusammenfassungen und einfache Recherchen ist das hilfreich. Für Strategiearbeit fehlt jedoch einiges: Allgemeine Assistenten kennen keine festen Vorgehensweisen für Marktanalysen oder M&A-Screenings, also arbeitet jedes Teammitglied anders. Ergebnisse für Vorstand und Aufsichtsrat brauchen Quellen für jede Aussage, nicht nur plausible Texte. Und Erkenntnisse sollten beim nächsten Thema wieder verfügbar sein, statt in einzelnen Chatverläufen zu verschwinden.
Checkliste für Strategie- und CorpDev-Teams
- Wiederkehrende Analysen identifizieren, z. B. Marktgrößen, Wettbewerber, Übernahmekandidaten.
- Standards festlegen: ein festes Vorgehen pro Analyse für das ganze Team.
- Quellenpflicht einführen: keine Zahl in einer Vorstandsvorlage ohne nachvollziehbare Herkunft.
- Sichere Umgebung wählen: EU-Datenhaltung, kein Training, Zugriff nach bestehenden Berechtigungen.
- Wissen sammeln in einer gemeinsamen Wissensbasis.
- Externe Beratung gezielt einsetzen, dort, wo sie den größten Mehrwert bringt, etwa bei Spezialfragen oder großen Transformationen.
Fazit
Strategieteams werden nicht größer, die Anforderungen an sie aber schon. KI hilft, diesen Widerspruch aufzulösen: Routinearbeit geht schneller, Ergebnisse werden einheitlicher und belegbarer, und das Team gewinnt Zeit für die eigentliche Strategiearbeit. Voraussetzung ist, KI nicht als allgemeinen Assistenten nebenbei zu nutzen, sondern als festen, sicheren Bestandteil der eigenen Arbeitsweise.


